Herstellung von Schäppeln

Luzerner Schäppel nach einem Original des Schweizerischen Nationalmuseums und div. Abbildungen um 1820 (u.a. auch Trachtenband von Julie Heierli).
Luzerner Schäppel nach einem Original des Schweizerischen Nationalmuseums und div. Abbildungen um 1820 (u.a. auch Trachtenband von Julie Heierli).

Durch die längere Auseinandersetzung mit den Schäppeln in der Schweizer Tracht und dem Austausch und der Zusammenarbeit mit Museen und Sammlungen, der Schweizerischen Trachtenvereinigung und vielen Helfern im In- und Ausland in den Bereichen Volkskultur, Handwerk und Materialien freut es mich, sie zu Fragen und Anfertigungen zu den meisten Schweizer Schäppeln beraten zu können. 

 

Da viele der Materialien sich in den letzten Jahrzehnten oder Jahrhunderten verändert haben, liegt es mir am Herzen, zuerst eine möglichst genaue Rekonstruktion mit alten Techniken herzustellen. So verstehe ich den Aufbau, die Symbolik und Materialbeschaffenheit besser.

Dazu nehme ich vom Original die genauen Masse ab, mache einen Materialbeschrieb, zähle alle Einzelteile aus und fotografiere und skizziere sie im Detail.  

Die Materialien wähle ich sorgfältig aus und falls sie nicht mehr hergestellt werden, versuche ich sie selbst herzustellen, antiquarisch aufzustöbern oder einen passenden Ersatz dafür zu finden. Je nach Wunsch und Bedarf verwende ich von profanen Materialien bis zu wertvollen Perlen, vergoldeten Drähten und Pailletten.

 

Bei der Herstellung kann ich unter Berücksichtigung von regionalen Typen und Symbolik auf ihre Wünsche eingehen. Zum Beispiel kann ich ihren Trachtenstoff für Blumen und Futter verwenden, oder Formen und Elemente aus den Details ihrer Tracht einfliessen lassen. So lässt sich trotz Einhalten der Regeln ein sehr individuelles Schmuckstück anfertigen.

 

Natürlich bin ich auch später noch für sie da, sollten Reparaturen oder Verschleisserscheinungen auftreten. Ebenso, wenn sie im Besitz eines alten Schäppels sind und ihn gerne wieder auf Vordermann bringen möchten.

 

Gerne berate ich auch Trachtenvereine zum Thema Schäppel. Wie und wann wird er getragen, wie könnte er aussehen, neue oder alte,...... Kontakt 

 

Bei Fragen zum Thema nehmen sie bitte mit mir Kontakt auf.

 

Ich freue mich über jeden Austausch zum Thema. Da ich gerade an einer Dokumentation über das Thema schreibe, freue ich mich insbesondere über die Kontaktaufnahme von BesitzerInnen alter Schäppeln, welche mir diese zeigen möchten, damit ich einen noch klareren Überblick über die verschiedenen regionalen Eigenheiten, Materialien und Verarbeitungen erhalten kann. 

 

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Der Schäppel in der Schweizer Tracht

Rekonstruktion eines Ostschweizer Schäppelis und Herrenansteckers nach Originalen von ca. 1800 aus den Sammlungen des Historischen Museums St. Gallen und des Schweizerischen Nationalmuseums.
Rekonstruktion eines Ostschweizer Schäppelis und Herrenansteckers nach Originalen von ca. 1800 aus den Sammlungen des Historischen Museums St. Gallen und des Schweizerischen Nationalmuseums.

Was ist ein Schäppel und zu welchen Anlässen wird er getragen?

 

Als Schäppel (auch Kränzli, Brautkrone oder je nach Typ und Region der Schweiz ca. 10 weitere Bezeichnungen) wird eine Kopfbedeckung für ledige Frauen und Mädchen bezeichnet, die sich seit spätestens dem Mittelalter zur heutigen Form entwickelt hat. Oft besteht der Schäppel aus einer Kombination eines verzierten Reifs (der ursprüngliche Schappel) und dem Jungfernkranz (Chränzli). Es gibt jedoch auch reine Reif- und Chränzlitypen, sowie verschiedene Sonderformen. 

Der Schäppel wird von (Jung-) Frauen ab der Erstkommunion (Erreichen des "Vernunftalters", früher oft mit 12-14 Jahren) erstmals getragen und bei der Hochzeit endgültig abgelegt. 

Unverheirateten Frauen und Mädchen wurde er, je nach Region, im Todesfall auch mit ins Grab gelegt. 

 

Die Bezeichnung Brautkrone ist ein wenig irreführend, da der Schäppel vor der Hochzeit bei vielen wichtigen Anlässen der Gemeinschaft getragen wird. Er wird zu Kirchenfesten und Prozessionen (Fronleichnam, Ostern, Feiertage zu Heiligen, usw.), zur Taufe als Gotte ("Gottechränzli"), bei Hochzeiten (nicht nur der eigenen) oder zu Repräsentationszwecken aufgesetzt.  

 

 

Rekonstruktion eines Urner Schäppels nach einem Original aus der 1. Hälfte des 19.Jh. in der Sammlung des Historischen Museums Uri und einer Abbildung aus Julie Heierlis Trachtenband.
Rekonstruktion eines Urner Schäppels nach einem Original aus der 1. Hälfte des 19.Jh. in der Sammlung des Historischen Museums Uri und einer Abbildung aus Julie Heierlis Trachtenband.

Der Schäppel heute

 

Ein Schäppel setzt auch heute noch einem wichtigen Anlass die "Krone" auf. Nicht nur bei historischen Trachten. Trotz der regionalen Typen und symbolischen Regeln (Farben, Materialien, Formen) ist die Gestaltungsfreiheit sehr gross. Durch die vollständige Handarbeit sind viele individuelle Details möglich, welche den Schäppel zu einem über mehrere Jahre getragenen oder gar vererbten Schmuckstück macht, welches auch später noch weiter angepasst und verändert werden kann. Wie eine massangefertigte Tracht kann der Schäppel passend für die Trägerin angefertigt werden. Die dazu passenden Herrenanstecker natürlich auch. 

 

 

 

Was steckt hinter dem Schäppel?

 

Der Schäppel gehört zu einer der höchsten Ehrbezeichnungen lediger Frauen und durfte früher nur von Unbescholtenen getragen werden. Er sorgte für Schutz und Segen, diente der Abwehr von bösen Geistern und war zugleich ein augenfälliges Statussymbol. Der Schäppel steht in enger Verbindung mit weiteren Kronentypen, wie zum Beispiel den Primiz- und Professkronen, den Totenkronen und Maien. Er taucht in Versen, Liedern und regionaltypischen Bräuchen auf, von denen leider viele vergessen gingen. 

Als altbekannte Kronenträgerin taucht sowohl in katholischen wie protestantischen Regionen manchmal auch die Jungfrau Maria als Schutzpatronin auf Schäppeln auf. 

Der Schäppel steht in einer jahrhundertelangen Tradition und ist von grosser soziokultureller Bedeutung.

 

 

Rekonstruktionen von Prozessionskronen aus Rofna, Brigels und Tinizong/GR 2. Hälfte 19.Jh.  Archiv Kloster Disentis
Rekonstruktionen von Prozessionskronen aus Rofna, Brigels und Tinizong/GR 2. Hälfte 19.Jh. Archiv Kloster Disentis

Warum finden wir den Schäppel heute fast nur noch im Museum?

 

Bis zur Mitte des 19.Jh. war der Schäppel in der ganzen Deutschschweiz flächendeckend verbreitet. Unter anderem durch den Einfluss der neuen weissen Hochzeitsmode um 1850, bzw. später durch die schwarze Alltagsmode, wurde der sehr bunte und auffällige Schäppel durch aktuelle modische Modelle verdrängt, welche aber nur noch geringe soziokulturelle Bedeutung haben. Durch die Industrialisierung kamen einfachere Materialien und billigere Verarbeitungen auf den Markt. Gleichzeitig fand ein grosser gesellschaftlicher Wandel statt, einhergehend mit einem wirtschaftlichen Aufschwung. Im Vergleich zu anderen (Nachbar-) Ländern geriet der Schäppel, aber auch viele andere Trachtenelemente, die meist von der ländlichen Bevölkerung getragen wurden, in der Schweiz immer mehr in Vergessenheit. 

Das Chränzli der Sensler Tracht im Kanton Freiburg ist heute noch der einzig aktiv gebrauchte Schäppeltyp der Schweiz.   

 

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Rekonstruktion eines Schäppels aus dem Kanton Zürich (wahrscheinlich Wehntal). Gefertigt mit alten Techniken und Materialien. Aus der Sammlung des historischen Museums Luzern.
Rekonstruktion eines Schäppels aus dem Kanton Zürich (wahrscheinlich Wehntal). Gefertigt mit alten Techniken und Materialien. Aus der Sammlung des historischen Museums Luzern.

Was tragen die Männer?

 

In Museen sind viele Herrenanstecker aus dem 18. und 19. Jh. erhalten, die vom Stil und den Materialien zu den Schäppeln passen. Auch hier gibt es regionale Eigenheiten. Ein passender Maien (Blumenkranz) oder Blumenschmuck am Hut ist ebenfalls möglich. 

 

 

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Rite rite Rössli,

z Bade staat es Schlössli,

z Klingenau es Brünneli,

z Kaiserstuel es Sünneli,

z Freiewyl es Chäppeli,

d Meitli träged Schäppeli,

d Buebe träged Mäie.

De Güggel chunnt go chräie:

Güggehü, z Morged am drü

chömed drei Mareie.

Di eint spinnt Siide,

di ander schnäfled Chriide,

di dritt schniidet Haberstrau,

bhüet mer Gott mis Chindli au.